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Harninkontinenz

Unter Harninkontinenz, im Volksmund oft als Blasenschwäche bezeichnet, versteht man unfreiwilligen Harnverlust, der unterschiedliche Ursachen haben kann.

In Österreich sind 850.000 Frauen von einer Harninkontinenz betroffen. Die beiden häufigsten Formen sind die Belastungs- und die Dranginkontinenz.

Belastungsinkontinenz (früher: Stressinkontinenz)

Harnverlust Ist die häufigste Form der Inkontinenz, die durch einen defekten Verschluss der Harnröhre entsteht. Der unfreiwillige Harnverlust wird dabei durch körperliche Anstrengung oder Anspannung verursacht. Meist sind Niesen, Husten oder Lachen sowie physische Belastungen wie Treppensteigen und das Heben schwerer Lasten der Auslöser. Durch die körperliche Belastung erhöht sich der Druck auf den Bauchraum, die Verschlusskraft des Schließmuskelapparates reicht nicht mehr aus, um einen Urinverlust zu verhindern. Ursache dafür ist eine geschwächte Beckenbodenmuskulatur, vor allem nach Schwangerschaft und Geburt, aber auch aufgrund hormoneller und altersbedingter Veränderungen. Die Harnblase selbst ist nicht betroffen und funktioniert normal.

Von den rund 850.000 Frauen in Österreich, die von Inkontinenz betroffen sind, leidet etwa die Hälfte unter einer Belastungsinkontinenz.

Die Belastungsinkontinenz betrifft alle Altersgruppen. Der Häufigkeitsgipfel liegt zwischen 50 und 60 Jahren, aber auch bei jüngeren Frauen ist die Belastungsinkontinenz keineswegs selten.

Dranginkontinenz

Kennzeichnend für diese Form der Harninkontinenz ist ein ungewöhnlich häufiger, plötzlich und stark auftretender Harndrang. Den Betroffenen wird der Weg zur nächsten Toilette manchmal zu lang, Urin geht ungewollt bereits vorher verloren. Die Ursache dafür ist meist in der harnaustreibenden Muskulatur zu suchen, die aktiv wird, noch bevor die Blase ausreichend gefüllt ist. Harndrang tritt deswegen wesentlich häufiger als im Normalfall auf. Da er auch nicht zu unterdrücken ist, müssen manche Betroffene mitunter mehrmals pro Stunde eine Toilette aufsuchen.?Etwa 20% der Frauen mit unfreiwilligem Harnabgang leiden an einer Dranginkontinenz, weitere 40% an einer Kombination von Drang- und Belastungsinkontinenz. Die Dranginkontinenz nimmt mit dem Alter zu.

Die reine Dranginkontinenz ist im übrigen bei Männern häufiger als bei Frauen. Bei Frauen ist sie in etwa 22% der Fälle Ursache des unfreiwilligen Harnabgangs und ist somit deutlich seltener als die Belastungsinkontinenz. Die Dranginkontinenz betrifft vor allem ältere Menschen.

Therapiemöglichkeiten

Wichtigster Schritt ist ein aktives Beckenbodentraining, das jede Frau selbst durchführen kann. Es sollte unter Anleitung einer Physiotherapeutin erlernt und unter deren Kontrolle durchgeführt werden. Entscheidend für den Erfolg ist allerdings, dass man regelmäßig und richtig trainiert. Das Beckenbodentraining kann durch Biofeedbackverfahren unterstützt werden, die den Erfolg der Bemühungen veranschaulichen: Mit einer speziellen Sonde, die in die Scheide eingebracht wird, kann man den Erfolg der Bemühungen verfolgen und kontrollieren. Mitunter ist auch eine Elektrotherapie (völlig schmerzfrei) des Beckenbodens sinnvoll. Zur Unterstützung wurden auch sogenannte Vaginalkegel entwickelt, die in die Scheide eingeführt und durch aktive Muskelanspannung dort gehalten werden.

Änderungen im Lebensstil wie Gewichtsreduktion, Raucherentwöhnung, Stuhlgangregelung sowie Kontrolle der Trinkmenge und regelmäßige Blasenentleerung können das Beckenbodentraining unterstützen.

Medikamente gab es bisher lediglich für die Behandlung der Dranginkontinenz, die nur etwa ein Fünftel aller Frauen mit Blasenschwäche betrifft. Ab Herbst 2004 gibt es auch in Österreich ein Medikament zur Behandlung der Belastungsinkontinenz.

Eine Operation ist angebracht, wenn die anderen Möglichkeiten nicht zum gewünschten Erfolg führen. Die Operation ist zwar nach wie vor die wirksamste, aber auch die aufwändigste Form der Behandlung. Mehr als 100 operative Methoden sind beschrieben und werden empfohlen. Die Erfolgsraten eines chirurgischen Eingriffs liegen zwischen 60 und 90 Prozent. Am bekanntesten ist heute die TVT-Methode, die bei Belastungsinkontinenz angewandt wird. Dabei führt der Operateur ein spezielles Kunststoff-Band spannungsfrei um die Harnröhre und fixiert es im benachbarten Gewebe. Dadurch bildet sich ein Widerlager, das den Blasenhals und die Harnröhre und damit auch den Schließmuskel stabilisiert.