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Stellungnahme des bvU zum Vorbericht der IQWIG zum Thema PSA-Screening

In einem Vorbericht zu einer Studie des Deutschen Instituts für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWIG) zum PSA-Screening wird von der Kostenübernahme des PSA-Tests seitens der sozialen Krankenversicherungen in Deutschland abgeraten, mit der Begründung, der PSA-Test schade mehr, als er nütze. Ursprünglich wurde diese Studie u.a. durch die Deutsche Gesellschaft für Urologie angeregt, da die Datenlage nach Meinung der Experten die Kostenübernahme des PSA-Tests durch die sozialen Krankenversicherungen in D. rechtfertigen und daher eine diesbezügliche Neubewertung erfolgen sollte.

Bei allem Verständnis für die wirtschaftliche Bewertung von Screening Maßnahmen (und dies ist ausschließlich eine solche) wird seitens des bvU festgehalten:

  1. In Österreich befürworten alle Experten die Früherkennung und nicht echtes Screening. Das setzt allerdings informierte Patienten voraus. Ich denke, wir haben in Österreich diesbezüglich Vorbildwirkung, nicht zuletzt dank der gemeinsamen Initiative zur Prostatavorsorge-Information gemeinsam mit der ÖGU und der Österreichischen Krebshilfe \"Loose Tie\".
  2. Das Thema der Übertherapie ist spätestens seit der Etablierung des Active Surveillance Programms in der Urologie Geschichte, was im vorliegenden Zwischenbericht nicht berücksichtigt wird.
  3. Der einzelne PSA-Wert ist nach heutigem Stand des Wissens ebenfalls Geschichte. Nur der ansteigende PSA-Anstieg-Verlauf sollte zur Biopsie Anlass geben. In den zugrundeliegenden Studien ist keine Rede davon.
  4. Die neuen diagnostischen Maßnahmen, wie mpMRT/Prostata, Hochfrequenz-US etc. finden in den vorliegenden Studien keine Beachtung.
  5. Jeder Mann in der Altersgruppe zwischen 45-75 Jahren, der keinen PSA-Test machen lässt, riskiert eine zu späte Diagnose bzw. metastasierte Erkrankung mit all ihren Folgen. Die enormen Kosten dieser Situation sind in keiner Studie aufgewogen und schon gar nicht das menschliche Leid, das damit verbunden ist. Die IQWiG Studie erwähnt zwar die Problematik der metastasierten Erkrankung, geht aber nicht weiter darauf ein, sondern weist nur auf die mangelhafte Datenlage dazu hin.
  6. Solange es keine bessere Methode gibt, besteht keine Alternative zum PSA-Test. Logischerweise müsste man MEHR PSA-Tests im Zeitverlauf machen und nicht weniger, damit könnte die Rate der falsch positiven Ergebnisse dramatisch gesenkt und die Problematik entschärft werden.

Derzeit befindet sich die Studie der IQWIG in der Begutachtungsphase. Der Schlussbericht ist für Sep.2020 vorgesehen, danach folgt eine Evaluierungsphase und frühestens 2021 ist mit einer endgültigen Beschlussfassung zu rechnen. Es steht sehr zu hoffen, dass die Vernunft obsiegt und die durch veraltete Studien irrgeleiteten Schlussfolgerungen korrigiert werden!

Stellungnahme der Deutschen Gesellschaft für Urologie (DGU):
https://uro.at/images/uro/news/2020/PRESSEINFORMATION_DGU.pdf

Stellungnahme der Österreichischen Gesellschaft für Urologie und Andrologie (ÖGU):
https://uro.at/8-news/268-stellungnahme-der-oesterreichischen-gesellschaft-fuer-urologie-zur-iqwig-studie-zum-psa-screening.html

Original Vorbericht der IQWIG:
https://www.urologisch.at/dl/S19-01_PSA-Screening_Vorbericht_V1-0.pdf

Mit herzlichen Grüßen,

Dr. Karl Dorfinger
bvU-Präsident